Prinzipien zur Bibelauslegung

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1. Die Bibel hat Vorrang vor Traditionen. Doch ist die Bibel selbst durch einen kirchengeschichtliche Geschichte entstanden, welche geprägt war von Prinzipien & Traditionen: Der Kanonisierung

Die Bibel ist Gottes Offenbarung und höchste Autorität. Höchste Autorität haben nicht die Bischöfe oder die Prinzipien die Gottes Wort erkannt haben. Die Konzile haben lediglich Gottes Wort als Gottes Offenbarung erkannt. Aber sie haben es nicht autorisiert. Gottes Wort hatte schon vorher Autorität. Sie haben die Autorität erkannt.

2. Die Bibel ist die heilige Schrift Gottes. Sie ist heilig, weil sie „inspiriert“ ist. Sie ist geprägt von Gottes heiligem Geist. Sie ist geprägt von Jesus. Die Bibel war nicht nur Gottes Wort für die Menschen – sondern sie ist immer noch Gottes Wort an die Menschen.


Eph 6,17:            das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes.
Joh 6,63:            Jesus sagt: Der Geist ist’s, der lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben.
Kol 3,16:             Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen
Hebr 4,12:          Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.

 3. Gott hat sich immer subjektiv und nie objektiv offenbart.
Gott hat sich immer in der Kultur offenbart. Sei es in aramäisch, griechisch oder hebräisch, er hat immer die kulturelle Sprache benutzt und Sprache ist immer für Fehlinterpreation offen. Gott lässt es zu, dass er falsch interpretiert werden kann.

Dass die Bibel die nicht als objektives Wort Gottes vor mir liegt, hilft mir auch auf Gott zu vertrauen. Ich vertraue auf Gott und auf seine Führung durch den Heiligen Geist in meiner Auslegung, dass sein Wort zu mir spricht.

 4. Die Bibel ist zu 100% Gottes Wort.
Jede Entscheidung für eine Übersetzung, jede Entscheidung für einen Grundtext ist eine menschliche Entscheidung die auf Gottes Führung vertrauen kann. Es gibt Randbereiche (0,01%) in welcher wir als Ausleger oder Übersetzer noch keine Klarheit haben, welche zu Gottes Wort gehören oder wie es zu übersetzen ist. Dies ist aber ein Mangel an mir als Ausleger oder auch ein Mangel an den Übersetzern und nicht ein Mangel an Gottes Inspiration. Für Jesus war das überlieferte AT vollständig Gottes Wort. Und an dem Beispiel von Jesus möchte ich mich orientieren.

Es ist auch eine Frage der Orientierung: Suche ich nach Argumenten um meine dogmatische Positionen zu untermauern, bin ich auf der Suche nach einem objektiven Text den ich kontrollieren kann? Oder suche ich aber nach Hilfe für mein Leben, reicht mir ein subjektiv gefärbter Text aus und ich bitte Gott um Hilfe in der Interpretation und Wegführung, sodass Gott mich kontrolliert.

5. Die heutigen Übersetzungen der Bibel sind ebenfalls Gottes Wort.
Jesus sprach aramäisch und dennoch haben wir nur einen Grundtext dieser Worte im Griechischen. Die Übersetzung, welche versucht Gottes Botschaft in der Kultur zu verstehen und nahe am Grundtext und in einer verständlichen kommunikativen Sprache zu übersetzen, ist eine gute Übersetzung. Die Unverständlichkeit kann sich vergrößern indem entweder die Kultur nicht verstanden wird, zu oberflächlich oder zu akribisch übersetzt wird. Wir vertrauen darauf, dass Gott die Menschen in der Übersetzungsarbeit führt, so wie Paulus auf die griechische Version des Alten Testaments (Septuaginta) vertraut und zitiert. Für Paulus ist die Übersetzung (Septuaginta) Gottes Wort. Man könnte sagen, dass der Inhalt wichtiger ist als die Form. Aber die Form prägt hier ebenfalls den Inhalt und transportiert die Inhalte.

 6. Gottes Wort ist uns als Literatur überliefert.
Viele Literaturformen kommen in der Bibel vor und wollen auch als solche verstanden werden. Nicht jeder Psalm kann für eine geschichtliche Datierung verwendet werden, sondern ist primär ein Psalm, d.h. ein Gedicht, ein Lieder oder ähnliches. Ein Brief von Paulus ist ein situationsbezogener Brief und nicht jeder Satz kann als Dogmatik für alle Zeiten gelten.

7. Die Auslegung des literarischen & historischen Kontext hat Vorrang gegenüber einer systematisch-dogmatischen Interpretation.
Gottes Wort findet sich nicht in systematischen Dogmen sondern in der Literatur des Alten und Neuen Testaments. Gottes Wort stellt sich nicht nur durch Gesetze sondern auch durch Briefe, Erzählungen, prophetische Offenbarungen und vielen anderen Literaturformen dar.

8. Gottes Wort interpretiert für uns Gottes (Heils-)Geschichte
Der Bibeltext ist nicht mit der Geschichte gleichzusetzen. Der Bibeltext verfolgt immer eine theologische Stoßrichtung. Die Bibel ist unser Hauptzeuge von Gottes Offenbarung in der Geschichte. Aber sie ist nicht nur ein Zeuge sondern selbst eine Offenbarung Gottes, sie ist Gottes Interpretation der Geschichte („Words are not the things themselves. Words only point to the things and tell us about things.“ Sailhamer, Pentateuch, S.19). Ja die Schrift hat sogar, wie Schlatter es formuliert, auch die Macht das sie „wieder Geschichte schafft“ (Schlatter zitiert in: Grundfragen der Schriftauslegung, Hempelmann, S.29). Gottes Interpretation der Geschichte hat Vorrang vor unserer Rekonstruktion von Gottes Offenbarung in der Geschichte („Heilsgeschichte“).

9. Die Autoren des Bibeltextes füllen die Sprache mit eigenen Inhalten
– d.h. intertextuelle Wortstudien haben Vorrang gegenüber historischen etymologischen Wortstudien (Bsp. „Good bye“ kommt von „God be with you“. Heut zu Tage meint wohl kaum einer noch den etymologischen Wortsinn bei „Good bye“; Ausnahme Hapex Legomena (Wörter die nur einmal in der Bibel vorkommen))

10. Die Autoren der einzelnen Bücher verfolgen eine Aussage in ihrem Kontext. Es liegt an uns, diese Kernaussage in ihrem historischen Kontext zu entdecken.
Der Bibeltext kann noch mehrere Aussagen beinhalten (z.B. Prophezeiungen), aber diese müssen durch die Bibel selbst ausgelegt werden.
„Denn wenn es jedem beliebigen gestattet ist, je nach der eigenen Willkür Folgerungen und Bildreden in der Schrift zu erdichten, was wird dann die ganze Schrift anders sein, als ein Rohr, das vom Winde hin- und hergetrieben wird, oder irgendein Vertumnus?“ (Luther zitiert in: Grundfragen der Schriftauslegung, Hempelmann, S.22)

11. Gottes Wort eröffnet sich uns nur durch Gottes Geist
„Die heilige Schrift will gehandelt sein mit Ehrfurcht und Demut, und will mehr ergründet werden mit andächtigem Gebet als mit scharfer Vernunft.“ (Luther zitiert in: Grundfragen der Schriftauslegung, Hempelmann, S.19)
Erkenntnis entsteht über das Leben mit Christus. Fakten sammeln (z.B. über die Ehefrau) geht, aber es entsteht daher keine Beziehung.

 

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„I have a dream…“

„I have a dream…
…that one day on the red hills of Georgia, the sons of former slaves and the sons of former slave owners will be able to sit down together at the table of brotherhood.“
(Martin Luther King)

Es ist das Jahr 2017 und in Erfurt dreht sich vieles um die Ikone Martin Luther. 500 Jahre Reformation und jeder schreibt einen Impuls über irgendeinen Satz von ihm. Komisch, warum denke ich zurzeit immer wieder an diesen amerikanischen Martin Luther?

Martin Luther King lebte 1929 bis 1968 und war Pastor einer Baptistengemeinde. Das heißt er hat an das Erbe seines namentlichen Vorgängers angeknüpft: Er hat die aktuellen Probleme seiner Zeit angeprangert und eine Revolution ins Rollen gebracht. King hat sich für Frieden eingesetzt und sein Kampfwerkzeug war das gesprochene Wort. Den individualistischen Claim des alten Martins („Hier stehe ich und kann nicht anders!“) hat er übersetzt für die amerikanische Gesellschaft des 20. Jahrhundert: „I have a dream!“ (Obamas „Yes we can“ oder Merkels „Wir schaffen das!“ können sehr wohl als die Antworten des 21. Jahrhunderts gelten. Doch vielleicht brauchen wir erstmal wieder jemanden, der eine Vision aufzeigt im Sinne von „I have a dream“).

500 Jahre nach (dem alten) Martin Luther leben wir in einer politisch polarisierenden Zeit. Ich fühle mich wie in den 60er Jahren in den USA. Die Blauen in Erfurt brüllen ihre Hasstiraden auf den Straßen. Doch eine Sache ist anders. Meine Generation wird zugeballert von Facebook, Google, Marvel, Disney, Apple und Samsung und ignoriert gekonnt. Ist es zu spät für „I have a dream!“? Wir hören im Autoradio Bakermats „I have a dream“ und denken es ist ein cooler Backgroundsound für unsere Hippsteratmo, Yeah.

In Buch Hesekiel in der Bibel im Kapitel 36 Vers 26 steht:

„Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“

Eine Revolution in unserem Jahrhundert fängt in unserem Herzen an. Wenn wir eine globale Veränderung uns wünschen, startet es mit uns. Wir sollten einerseits träumen und neu den Satz entdecken „I have a dream“ und andererseits die ersten kleinen Schritte in diese Richtung gehen. Gottes Geist kann unser Herz verändern, zu einem Motor für Frieden und Gerechtigkeit. Doch wie geht das? Wie erfüllt sich unser Herz mit dem Geist von Gott? Paulus schreibt in dem Brief an die Galater in Kapitel 3 Vers 14:

„Durch Jesus Christus bekommen jetzt also Menschen aus allen Völkern Anteil an dem Segen, den Gott Abraham zugesagt hatte; aufgrund des Glaubens erhalten wir den Geist, den Gott versprochen hat.“

Lasst uns den Traum teilen einer Revolution in Deutschland voller in-spirierter Herzen, geprägt von dem Mann der vor 2000 Jahren ans Kreuz ging und durch die Auferstehung die Revolution des Friedens einleitete: „I have a dream!“